
Diese Dokumentation löste in mir wahnsinnige gespaltene Gedanken aus. Ich bin hin und her gerissen zwischen “ich liebe diese Doku” und “ich hasse diese Doku”, um es etwas polemisch auszudrücken. Was ich damit aber eigentlich sagen will, ist, dass ich sowohl die Kritik, und davon wurde genügend zum Ausdruck gebracht, wie auch die Lobgesänge sehr gut nachvollziehen kann. Vermutlich aber tendiere ich am Ende des Tages dann eben doch auf die Seite der Lobgesänge. Oft und laut wurde vor allem die fehlende Einordnung, die durch die Abwesenheit eines Voiceovers entsteht, kritisiert. Ich kann dem aber beim besten Willen nicht zustimmen. Zu keiner Sekunde hatte ich das Gefühl, dass die Regisseure das Gezeigte und Gesagte unkommentiert lassen. Denn die beiden verstehen sich darin einzig allein durch die Inszenierung, die Montage und sehr gekonntes Schneiden, Position zu beziehen.
Ohne Frage ist sehr vieles, was die Freunde von Max Herzberg, während der 90 Minuten Laufzeit von sich geben, mehr als nur ein wenig fragwürdig. Wir hören NS-Rhetorik, erleben Ableismus, Rassismus, Homophobie sehen in einem Zimmer ein kleines Hakenkreuz an die Wand gezeichnet und gegen Ende hören wir dann noch eine Gruppe über geheime NPD-Treffen sprechen. Aber es wäre viel zu kurz gegriffen, die Gruppe rund um Adlersson und den Film als rechts(extrem) und problematisch abzutun. Das würde der Sache und dem doch sehr wichtigen und noch heute brandaktuellen Thema nicht gerecht werden. Viel mehr erhalten wir einen Ungeschönten, tiefen (um nicht zu sagen zu tiefen) und phasenweise etwas verstörenden Einblick in die Lebensrealität junger Menschen in Ostdeutschland, welche sich selbst als vom System abgehängt und hoffnungslos verloren bezeichnen.
Oft und gerne wird Ostdeutschland in der öffentlichen Wahrnehmung so abgetan. Was dabei aber meistens aussenvor bleibt, ist eben die Realität, in welche uns dieser Film eintauchen lässt. Will nicht heissen, dass dies die teilweise menschenverachtenden Sprüche, die geklopft werden, weniger schlimm macht. Ich will hier nicht bagatellisieren, aber versuchen, so wie es auch die Doku tut, darauf aufmerksam zu machen, dass es eben solche Menschen wirklich gibt. Sie nun einfach als dumm und rechts abzustempeln, bringt nicht. Wir sehen nämlich auch tragische Schicksale. Wir sehen Menschen, die sich Tag für Tag betrinken, sich selbst keine Zukunft zuschreiben, spielsüchtig sind, Pfand und Kleingeld sammeln und nicht wissen was mit sich und ihrem Leben anstellen. Wir sehen wir eine Wohnung wegen zu vieler offener Rechnungen zwangsgeräumt wird und erfahren nicht, was mit dem “Hausherr” im Anschluss geschieht.
Und diese Umstände sind nicht nur eine ostdeutsche Thematik resp. Problematik. Vermutlich mag es stimmen, dass all dies in Ostdeutschland ausgeprägter und häufiger sein mag, als anderswo, aber es ist mit Sicherheit nicht exklusiv Ostdeutsch. Vieles was wir zu sehen bekommen, kam mir auf unangenehme Art und Weise etwas zu vertraut vor. Auch ich bin in einem Umfeld aufgewachsen, das sich weniger von Max’ unterscheidet als es mir lieb wäre. Auch wir haben es damals lustig gefunden Witze über die Shoah zu reissen, Hakenkreuze gezeichnet und andere Menschen homophob beleidigt. Glücklicherweise habe ich mich davon distanzieren können. Vielleicht war mir dies aber nur möglich, weil ich in einer Region aufgewachsen bin, welche Perspektiven für mich bereit hatte. Auch ich kenne das Gefühl welches Inkognito äussert, wen er sagt, er hätte einfach gerne etwas, dass ihn langfristig zufrieden stellen würde.
Und dennoch will ich hier nochmals ganz stark betonen, wie sehr ich das gesagte verurteile. Es handelt sich dabei wie bereits erwähnt um menschenverachtende und teilweise faschistoide Weltbilder und diese sollten nie, auch nur ein wenig, legitimiert werden. Wir müssen eben lernen, mit dieser Dissonanz zwischen Kontext resp. Erklärung und dem ganz klaren verurteilen müssen wir lernen zu leben. Und dass diese Dokumentation eben genau dies darzustellen versucht, unterstreicht für mich die abschliessende Szene, in welcher wir Max mit seinem Kollegen wild herumknutschen, sehen. Eben dieser Mann, welcher während der vorangegangenen 90 Minuten immer wieder Menschen als “Schwuchtel” bezeichnet hat.