Ode an den Metus

written by malu winter

Es wohnt des Todes kleiner Bruder in
Dem meinem Kopfe, meinem Herzen, in
Der meinen Seel’. Begleitest mich seither,
Tag für Tag und tagein tagaus. Du warst
An meiner Seit’, allweil und immerda,
Ein Freund, ein Vertrauter, mir stets gewesen.
So treu, du mir doch bist seit Kindestagen,
Beigestanden, als falscher Freund oder
Nur als wahrer Feind, der heimlich den Dolch,
Der seit, Welt’beginn stets angedacht war für
Die meine Brust, wetzend und wartend stets
Auf meinen Niedergang, der dir so bringt,
Jedoch mir entzieht, letztlich, Macht über
Die meinen Geschicke. Mich zwingt und nötigt,
Ins Dasein nun verdammt, als deiner ewig,
Ungeliebter, unglücksel’ger, Lakai.
Du versprichst mir viel und noch vielmehr,
Du umschmeichselst mich mit den schönsten Worten,
Von Sicherheit, Heimath und Geborgenheit.
Vergiftet’ Worte nun aber sind es,
Die du träufelst seit jeher in mein Ohr
Du plagst mich, hetzt mich, lässt mir keine Ruh,
Du sagst mir erst dies und dann jenes. Schreist
Mich an, Umarmst mich wieder, nur um dann
Am End’ mich doch zu brechen, in tausend
So kleine Stücke, überall verteilt auf
Dem Erdenrund. Ein auf und ab, wie das Boot,
So winzig und allein, verlorn im wüsten Sturm,
Das taumelnd ankämpft tapfer gegen all
Die Well’n der hohen See, ohn’ Ahnung, wo
Das rettende Aug, des Orkans sich könnt befind.
Ich habe dir vertraut, die deine, von dir
Als helfend angepriesen, Hand, voll Dank,
Ohn’ ein einzig zögern, gleich ergriffen.
Du falscher Freund, der nur sich freuen kann, ab
Des meinen Leidens, verursacht durch den Rat
Den du mir gegeben und ich, so blind,
Naiv und jung und wider besserns Wissens,
Dir, meinem einzg’n Anker in der diesen
So weiten, grossen, bösen Welt, geglaubt.
Oh du falscher Bruder, der nur gewinnt,
wenn ich verlier.
Oh du falsche Schwester, die nur frohlockt,
worüber ich wein.
Oh du kleiner Tode in meinem Kopfe,
Muss mich nun von dir trennen, ein und alle mal,
Mich schützen und bewahren vor den uns’ren
Gemeinsam lang geschmiedet’ Plänen, die,
Entgegen aller Hoffnung, nichts mir werden
Einbringen, ausser, Einsamkeit, Leid
Und Schmerz, Verletzung als auch Traurigkeit.
Oh du ältester aller meiner Freunde,
Du herzallerliebste Angst, muss lossagen
Mich von dir, muss durchtrennen uns’re tiefen,
Antiken Bande, die von uns zusamm’
Gefestigt wurd’ seitdem, ich denken konnte.
Ich ruf dich an und schrei empor so laut
Ich fall auf meine Knie vor dir zum letzten
Gebet. Verlass mich nun, auf immer, ewig
Wenn wirklich wahrhaft je geliebt mich hast.